Provinz-Blog

Neuer Streich der Billag:

Es stellt sich wieder einmal die Frage, für wie dumm uns die Behörden, die staatlichen Institutionen und Betriebe halten.

Bis jetzt wurden die Radio- und Fernsehgebühren vierteljährlich von der Billag AG erhoben. Die Billag (eine Tochterfirma der Swisscom) hat dafür jährlich 12 Millionen Rechnungen verschickt und die eingenommenen Gebühren an das Bakom (Bundesamt für Kommunikation) weitergeleitet. Über die Höhe der Gebühren entscheidet der Bundesrat, die Billag braucht für Ihren Betrieb ca. 300 Mitarbeiter und erhält ca. 55 Millionen aus dem Inkassovolumen von etwa 1'300 Millionen Franken. Soweit die Facts.

 Seit Jahren gerät die Billag immer mehr unter Druck. Einerseits wegen der hohen Kosten für die Eintreibung der Gebühren, andererseits für die etwas eigenwillige Definiton der gebührenpflichtigen Geräte. Ausserdem werden der Billag unnötig hohe Kosten für die "Informationspflicht" vorgeworfen. So hat der Werbespot der Billag eine Länge von 2 Minuten und 50 Sekunden und wurde mehrfach während der Primetime ausgestrahlt, wo normalerweise 20 Sekunden Werbezeit ca. 25'000.-- Franken kosten. Es finden sich so unnötige Dinge wie Billag Wallpapers, Billag Screensavers, Billag Ringtones und ein Billag Game auf der eigens, in aufwändigem Flash Design produzierten, aufgeschalteten www.bill.ag - Website, natürlich alles mit Gebührengeldern finanziert. Nachdem dann auch der Preisüberwacher die Billag abschaffen wollte und ein Volksbegehren lanciert worden war - kam der Bundesrat auf eine geniale Idee ...

Einmal statt viermal

Die Jahresrechnung ist das Ei des Kolumbus. Wenn die Billag ihre Rechnungen nur noch einmal statt viermal im Jahr verschickt, fallen die entsprechenden Kosten für Druck, Versand und den Zahlungsverkehr weg (seltsamerweise werden hier keine Personalkosteneinsparungen erwähnt). Das macht gemäss eigenen Angaben der Billag rund 10 Millionen Franken pro Jahr. Der Bundesrat hat ausserdem beschlossen, dass die Einsparungen nicht dem Gebührenzahler, sondern der SRG und den Privatssendern zugute kommt. Im Gegenzug hat der Bundesrat auf eine Gebührenerhöhung verzichtet (ist das nicht gerade deswegen trotzdem eine?).

Ich habe also heute ein Schreiben der Billag erhalten. Schon die Anschrift "An die Kundinnen und Kunden der Billag" stösst sauer auf.

Die DIN EN ISO 8402 definiert Kunde als "Empfänger eines vom Lieferanten bereitgestellten Produkts“, der im Rahmen einer Vertragssituation auch Auftraggeber genannt wird. Sobald das Geschäft zustande gekommen und durch Vertragsschluss, bzw. Bezahlung und Übergang des Besitzes abgeschlossen wird, wird der Kunde zum Käufer. (Zitat:de.wikipedia.org/wiki/Kunde)

Ich bin also schon per Definiton nicht Kunde der Billag, keines der obengenannten Kriterien trifft auf mich (Auftraggeber?) oder die Billag (Produktlieferant?) oder die Wechselwirkung (Besitzübergang?) zu.

Wieso ich mit dem Schreiben jetzt nicht die Jahresrechnung sondern nur eine Monatsrechnung erhalte ist die nächste Idiotie. So wird ab Februar nach dem Zufallsprinzip monatlich einer von 12 Gruppen ihre Jahresrechnung zugestellt und darum bekommen alle Gruppen im Januar eine Übergangsrechnung. Das hiesse vorerst also besser ...

Zweimal statt viermal

Wieviel von der geplanten Einsparung wirklich überbleibt, ist ohnehin ungewiss. Die Billag erwartet aus der Bevölkerung "zahlreiche Anfragen" zur Jahresrechnung und wird, wenn auch vorübergehend, ihren Personalbestand im Contact Center auf 140 verdoppeln.

Abschliessend beantrage ich, dass die Bundeshauptstadt Bern als Hauptort des Lalebuchs von 1597 gilt, in dem wunderseltsame, abenteuerliche, unerhörte und bisher unbeschriebene Geschichten und Taten der Lalen von Laleburg erzählt wurden. Besser bekannt durch die zweite Auflage mit dem Titel "Die Schildbürger"!